Frettchenhilfe im Allgäu

HALTUNG

Frettchen sind Rudeltiere und dürfen NIEMALS alleine gehalten werden. Zu zweit oder am Besten zu dritt oder noch mehr fühlen sie sich am wohlsten. Zusammen können sie ausgiebig kuscheln, spielen und sich raufen.

Frettchen brauchen enorm viel Platz, um ausgeglichen und glücklich leben zu können. Sie sind absolut nicht für Käfighaltung geeignet!

Es gibt 3 verschiedene Haltungsarten, jede davon hat Vor- und Nachteile,  bei denen man abwägen sollte, welche Haltungsart für einen am besten geeignet und umzusetzen ist. Fakt ist jedoch, Frettchen gehören nicht in einen Käfig, sondern brauchen sehr viel Platz und Beschäftigung, besonders Welpen.

Wohnt man zur Miete, sollte die Haltung vorher mit dem Vermieter abgeklärt und genehmigt werden.
Frettchen gelten nicht als Kleintiere, sondern gehören zu den Exoten.
Wenn nicht mit dem Vermieter besprochen, gibt es unter Umständen Probleme oder gar Kündigung von Wohnung / Haus.

Grundsätzlich gilt:
Frettchen brauchen eine Grundfläche von 6qm pro Frettchenpaar plus 1qm je weiteres Frettchen, WENN sie jeden Tag zusätzlich Auslauf bekommen.
Das heißt, Frettchen NIE 24 Stunden alleine halten!
Ohne weiteren Auslauf erhöht sich die Grundfläche auf 10qm pro Frettchenpaar plus 2qm je weiteres Tier.
Grundfläche bedeutet die Bodenfläche! Etagen werden nicht dazugerechnet!


Haltungsarten

(1) Innenhaltung

Hier gibt es 3 Unterarten:

Abgetrennter Bereich mit Freilauf
Man kann dazu einen Teil seines Zimmers abtrennen. Dies ist mit Trennwänden aus Holz oder Plexiglas umsetzbar. Eine Mindesthöhe von 1m ist auf jeden Fall notwendig, da einige Frettchen sehr hoch springen können.

Vorteile
: Nachts hat man einen ruhigen Schlaf und sie sind sicher untergebracht wenn man nicht zu Hause ist
Nachteile: bauliches Geschick und benötigter Platz

Frettchenzimmer
Ein eigenes Zimmer, das entsprechend eingerichtet sein muss, ist für die Kleinen ein wahrer Abenteuerspielplatz. Täglicher Freilauf sollte trotzdem angeboten werden. Frettchen sind sehr neugierig und unternehmungslustig, da kann auch das tollste Zimmer mit der Zeit langweilig werden.
Die Fenster müssen so gesichert werden, dass kein Frettchen hinausfallen oder eingeklemmt werden kann! Kindersicherungen in den Steckdosen sind ein Muss!

Vorteil: viel Platz, weniger "Frettchengeruch" in der Wohnung, sichere Unterbringung.
Nachteil: weniger Kontakt, Bedarf eines Zimmers

Freie Wohnungshaltung
Die Frettchen haben die komplette Wohnung zur Verfügung und können nach Herzenslust toben. Ein Schrank, der immer offen steht, kann als Rückzugsort genutzt werden.

[Foto Schrank] folgt

Die ganze Wohnung sollte frettchensicher gemacht werden. Kindersicherung in den Steckdosen, keine offenen Kabel (auch wenn Frettchen normal nicht dran gehen), Blumentöpfe und Spalten sichern, Schränke und Kommoden vor Herunterfallen sichern. Frettchen sind Meister im Hochklettern, aber leider völlig unbeholfen, wenn es wieder abwärts geht,  also bitte Klettermöglichkeiten abstellen. Die Fenster müssen so gesichert werden, dass kein Frettchen hinausfallen, oder eingeklemmt werden kann. Klodeckel geschlossen halten! Müll und andere gefährliche Gegenstände (Zigaretten, Waschmittel, Seifen, Klosteine, Glas, Reinigungsmittel, Menschen- Nahrung) unzugänglich aufbewahren.

Vorteile: enge Bindung, viel Platz
Nachteile: viel Aufwand alles zu sichern, Frettchengeruch in der ganzen Wohnung/ Haus

Wir empfehlen freie Wohnungshaltung (natürlich Frettchensicher) mit einem Zimmer und großem Schrank als Rückzugsort. Optimal ist eine kombinierte Innen- und Außenhaltung. Bei der Wohnungs-/Zimmergestaltung sollte sehr darauf geachtet werden, dass keine Unfälle passieren können.
Sehr wichtig ist das Absichern der Wohnungsausgänge, wie Haustüre und Terrassentüren, am besten mit Absperrungen die man selbst übersteigen kann. Höhe mindestens 80 cm.

[Foto Absperrung] folgt

(2) Außenhaltung

Es empfiehlt sich ein isoliertes Gartenhaus mit angegliedertem Außengehege. Das Außengehege muss oben wie unten gegen Ausbruch gesichert sein!

Frettchen graben und springen gerne. Es eignen sich Betonrandsteine als Umrandung, die mindestens eine Tiefe von ca. 30cm haben. Betonierter, gepflasterter Boden oder ein eingearbeitetes Gitter im Boden haben sich bewährt. Punktgeschweißter, sehr starker  Draht mit 2cm x 2cm Raster oder Papageiengitter eignet sich am Besten für das Gehege. Hasendraht ist ungeeignet, dieses ist für einen Fuchs oder Marder in kürzester Zeit durchbissen!

Wichtig ist, dass die Frettchen bei Hitze immer Schatten und ein kühles Plätzchen zur Verfügung haben. Im Winter brauchen sie eine isolierte Schlafbox, um sie vor Unterkühlung zu schützen. Das Trinkwasser sollte vor Vereisung geschützt werden (z.B Lucky Kitty Trinkbrunnen mit Heizung). Bitte beim Streichen nur ungiftige Farben verwenden.
Ein Balkon eignet sich nicht zur Außenhaltung!
Dort werden sehr schnell hohe Temperaturen erreicht, denen die Tiere nicht aus dem Weg gehen können.

Vorteile: möglichst naturnahe Haltung, kein Frettchengeruch im Haus, sie können "Dreck" machen
Nachteile: wenig Kontakt, Frettchen sind im Winter träge

(3) Kombinierte Haltung

Innenhaltung mit einem gesicherten Balkon oder Gehege vor dem Fenster. Auch eine Veranda oder ein Teil vom Garten lassen sich für die Kleinen frettchensicher einzäunen und einrichten. Die Frettchen haben die Möglichkeit frei zu wählen, wo sie sich gerne aufhalten wollen. Bei einem gesicherten Garten ist der Aufenthalt nur mit Aufsicht zu empfehlen. Frettchen finden sehr schnell Schlupflöcher, springen und graben gern. Zum Sichern eignet sich ein PVC Sichtschutz, stabile Blechtafeln, oder glatte Oberflächen mit mindestens 1m Höhe. Auch senkrecht gestellte Holzbretter mit einem Höchstabstand von 2 cm eigenen sich.

Vorteile: naturnahe Haltung sowie viel Kontakt
Nachteile: bauliches Geschick, viel Absicherung, können sich im Winter erkälten durch Temperaturumschwung.

Allgemein wichtig bei jeder Haltungsart !

Hitze
Im Sommer müssen genügend Abkühlungsmöglichkeiten gegeben sein.
(z.B. Wasserbecken, nasse Tücher, Eiswürfel, eine Kiste mit kalten Wasserflaschen und Tüchern.)

Fenstersicherung
Frettchen sind sehr neugierig und versuchen, sich überall hinein zu quetschen. Fenster sollten deshalb abgegittert oder ein im Tierladen erhältlicher Fensterkippschutz angebracht werden.

Stubenreinheit
Frettchen sind nur bedingt stubenrein, da kann schon mal etwas daneben gehen. Ein Holz oder Laminatboden ist deswegen ungünstig und schnell fleckig oder aufgequollen. Fliesen oder ein PVC-Boden, den es mittlerweile sogar in Holzoptik gibt, sehen schön aus und sind leicht zu reinigen.
Etagen und das Häuschen vom Außengehege können mit PVC ausgelegt werden oder mit einer speziellen "Lotus-Effekt" Farbe gestrichen werden (Bitte auf ungiftige Farben zurück greifen).

Bodengrund/Streu
NIEMALS Kleintierstreu (Rindenmulch-Moos- usw.) verwenden! Frettchen würden es nicht fressen, aber die Gefahr, dass z.B. gebunkertes Fleisch im Streu landet und es so dann mitgefressen wird, ist groß. Gefahr von Darmverschluss!
Frettchen brauchen keine Einstreu, sondern Kuscheldecken - Höhlen - Säckchen!!
Im Außengehege niemals Mulch verwenden. Schimmelpilzgefahr auch bei trockenem Mulch. Für das Außengehege eignen sich Felderde, oder Hackschnitzel (wenn es nicht nass werden kann). Es können auch Terrassenplatten verlegt werden, allerdings sollte dann ein Teil mit Felderde und Grasnarbe gestaltet werden (zum Buddeln).

Einrichtung und Spielzeug
Röhren, Kuscheldecken, Schlupfhöhlen, Kuschelsäcke, Kratzbaum niedrig, Kuschelbetten, Hängematten, Knistertunnel, Nestschaukeln, IKEA Kisten (mit Playmais,  Erde oder Bällebad), Ü-Eier mit Reis, Katzenangel, Babymobile, Kuschelsachen, Pappkartons, Bürsten, Bastkörbe. Im Außengehege oder auf dem Balkon begeistern mit Erde (am besten vom Feld) gefüllte große Wannen die Tiere sehr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Auch kleine Häuschen oder umgebaute Schränke, in die sie durch eine Röhre hinein können, werden gerne zum Lieblingsschlafplatz.

Spazieren gehen
Frettchen haben, wie erwähnt, einen großen Bewegungsdrang. Nicht jedes Frettchen geht aber gerne spazieren. Man kann nicht erwarten, dass Frettchen brav bei Fuß gehen wie ein Hund (in Ausnahmefällen soll dies angeblich der Fall sein).
Speziell angefertigte Geschirre in wunderbaren Farben und Formen gibt es mittlerweile im Internet zu bestellen, da die Geschirre im Tierladen meist zu groß sind und die Frettchen entkommen können.
Frettchen ohne Leine laufen zu lassen ist nicht zu empfehlen!!
Es lauern zu viele Gefahren (dazu gehören auch fremde Hunde), die dazu führen können, dass das Frettchen sich erschreckt und davonläuft, oder im schlimmsten Fall getötet wird!
Zuerst sollte man mit Leckerlies und Geduld im Haus üben, das Geschirr zu tragen.
Da Frettchen schnell müde werden oder manchmal einfach keine Lust mehr haben, sollte man eine Kleintiertasche mitnehmen, in der sie sich ausruhen können.
Vor dem ersten Spaziergang sollten die Frettchen eine gültige Staupe- und Tollwutimpfung (mehr dazu unter Impfen/Chippen/Kastrieren/Pflege) haben, die mindestens 21 Tage zurück liegt !

Erziehung
Frettchen sind nur bedingt erziehbar, vergleichbar mit Katzen. Sie werden selten zu 100% stubenrein und damit sollte man zurechtkommen. Frettchen zwicken auch mal, das ist ihre Art jemanden zum Spielen aufzufordern (mehr dazu unter Frettchensprache). Beißen und völlige Unreinheit ist wieder etwas anderes.

Beißen
Die Frettchenhaut ist um ein vielfaches dicker als Menschenhaut. Wer Frettchen schon mal beim Spielen zugesehen hat, weiß wie rabiat das aussieht. Frettchen müssen erst lernen, dass unsere Haut nicht so dick ist. Bei der Erziehung muss es klare Regeln geben, an die sich auch der Besitzer halten muss. Man muss klare Kommandos geben. Ein scharfes lautes "NEIN" bedeutet, dass sie es nicht dürfen. Z.B. absichtliches Beißen oder auch nicht mehr loslassen. Ein lautes "AU" bedeutet, dass sie zu grob waren beim Spielen. Beide Male sollte das Verhalten "bestraft" werden, indem man sich von ihnen abwendet und ein Weilchen ignoriert oder kurz das Zimmer verlässt. In jeder Situation unbedingt ruhig bleiben, die Hand oder den Fuß  nicht weg ziehen oder herumhampeln! Das animiert sie sonst eher noch mehr zum Zwicken.
Beißt sich das Frettchen fest und lässt nicht mehr los, hilft meist der "Katzengriff" im Nacken. Wenn das nicht hilft, dann einen Finger vorsichtig zwischen den Kiefer schieben und auf die Zunge drücken. Wenn das Frettchen kein Wasser mag, mit einem Bestäuber besprühen.
Keinenfalls körperliche Gewalt !
Das Frettchen nie schlagen! Dazu gehört auch ein Klaps!!

Stubenreinheit
Da Frettchen einen sehr kurzen Verdauungstrakt haben setzen sie ca. alle 4 Stunden Kot und Urin ab. Meistens nach einem ausgiebigen Schläfchen. Dann sollte man sie sofort in die Katzentoilette setzen. Wenn sie dann ihr Geschäft verrichtet haben, "Brav" sagen und mit Leckerchen belohnen. Dass Frettchen ein Häufchen absetzen wollen, merkt man, wenn sie rückwärts in eine Ecke "einparken" und ihre Rute anheben. Dann schnell reagieren, in die Toilette setzen und belohnen. Wenn man es zu spät bemerkt und der "Unfall" schon passiert ist, dann das Frettchen nehmen zum Häufchen gehen, es daneben setzen, "Nein" sagen und daraufhin in die Toilette setzen (keine Belohnung).
Am Anfang am Besten in jede Ecke des Raumes ein Klo stellen. Oft suchen sich die Frettchen auch "ihren" Ort selbst aus. Dann dort ein zusätzliches Klo hinstellen.
Frettchen mögen nicht jedes Katzenstreu und auch nicht jede Toilette. Deshalb sollte auf das Gewohnte zurückgegriffen werden oder man probiert aus. Frettchen mögen gerne große Toiletten mit niedrigem Einstieg.
Besonders zu empfehlen ist das "super Benec plus" Katzenstreu aus Mais von Zooplus. Es kann  bedenkenlos über die Toilette entsorgt werden, da es sich wie Klopapier auflöst. Es ist sehr ergiebig und geruchsbindend und die Frettchen nehmen es sehr gut an.

Vergesellschaftung
Da Frettchen sehr gesellige Tiere sind, sollte man sie unter keinen Umständen alleine halten. Da kommen einige nicht um eine Vergesellschaftung (Vg) herum. Zunächst ist wichtig, dass der/ die Neue/n vom Alter her entsprechend zu dem vorhandenen Wusel passen. Ältere Tiere sind nämlich oft mit den zu aufgedrehten Jüngeren  überfordert. Auch sollte das/die alten Wusel ihren neuen Mitbewohner selbst aussuchen. Man sieht meist beim ersten Zusammentreffen schon, ob sie später harmonieren. Umso länger das vorhandene Tier alleine ist, desto schwieriger wird allerdings eine Vergesellschaftung mit anderen Tieren.
Es gibt Vg's, die bis zu 2 Jahren dauern und manche verstehen sich auch einfach gar nicht mit dem ihm vorgesetzten Partner (dann eben ein Anderer). Es gibt aber auch recht schnelle Vergesellschaftungen,  die nach ein paar Stunden schon abgeschlossen sind. Da Vg's sich für menschliche Ohren furchtbar anhören und auch aussehen, geben die meisten viel zu schnell auf. Es ist Durchhaltevermögen gefragt und bei Zweifel sollte ein erfahrener Halter hinzugezogen werden.

Folgendes ist jedoch zu beachten:

  • Der Raum des Aufeinandertreffens muss groß genug sein um sich, wenn nötig, aus dem Weg gehen zu können. Bestenfalls sollte das erste Treffen auf neutralem Boden stattfinden.
  • Auf gar keinen Fall eingreifen, bzw. zu früh eingreifen! Eingreifen erst wenn Blut fließt, ein Tier apathisch wirkt oder wenn Kot und/oder Urin abgesetzt wird.
  • Eine Trennung schürt Aggressionen (nur in absoluten Ausnahmefällen trennen, wenn die Vg keine Chance hat und abgebrochen werden muss).
  • Markerschütternde Schreie und gegenseitiges Beißen und Umherschleifen ist normal.
  • Schöne Momente zusammen schaffen! z.B. Paste oder Eigelb schlecken, füttern, gemeinsam bespaßen, kraulen.


Frettchensprache / Fachbegriffe

Fachbegriffe:

weibliches Frettchen = Fähe
männliches Frettchen = Rüde
Jungtier = Welpe
weibliches Geschlechtsteil = Vulva, Nuss
männliches Geschlechtsteil = Penis
Pfoten = Branten
Schwanz = Rute
Ohren = Lauscher
Maul = Fang
untere Fellschicht = Unterwolle
obere Fellschicht = Deckhaar, Grannen

Frettchensprache:

Das Verhalten muss immer individuell und auf die Situation betrachtet eingeschätzt werden. Viele Verhaltensweisen haben unterschiedliche Bedeutungen:

  • Muckern, goggern, keckern (hört sich wie ein "gackern" an) = freudig, aufgeregt, ängstlich
  • fauchen, Zähne zeigen = Angst, aufgeregt
  • Angstschrei (sehr hoch und laut, markerschütternd) = Angst, Panik
  • "Flaschenbürste" aufgeplusterte Rute = aufgeregt, neugierig, ängstlich, aggressiv
  • aufgeplustertes Fell und Rute, starrer Blick = aufgeregt, ängstlich, aggressiv
  • aufgeplustertes Fell und Rute, wildes Umherspringen und rückwärts gehen, gefolgt von "muckern" oder auch "fauchen",  Zähne zeigen, zwicken = Aufforderung zum Spielen, aufgeregt, freudig
  • flaches auf den Boden legen = verschnaufen, lauern
 
E-Mail
Karte
Infos