Frettchenhilfe im Allgäu

DAS FRETTCHEN

Zucht/Farben/Genetik

Ein Frettchen, ach wie süß ist das denn, so eins muss ich haben!
So oft schon haben wir diesen Satz gehört oder gelesen.
So schnell als möglich muss so ein Tier her. Ohne sich vorher zu informieren endet dies in den meisten Fällen nicht gut.
Vielen Menschen ist leider nicht bewusst, welch hohe Ansprüche diese quirligen Zeitgenossen haben. Veraltete Internetseiten und leider auch die Unwissenheit und Vorurteile in den Köpfen vieler Menschen tun ihr übriges.

Frettchen sind keine Kuscheltiere, sondern Raubtiere, ihr wilder Verwandter ist der europäische Iltis. Zwicken und manchmal etwas wildes Spielen gehören einfach dazu.

Frettchen sind obligate Carnivoren, das bedeutet sie sind reine Fleischfresser!

Sie erreichen ein Alter von 6-10 Jahren (in seltenen Fällen auch älter), man muss sich dessen bewusst sein, dass man in all dieser Zeit die Verantwortung für die Tiere übernimmt.
Sie sind sehr anspruchsvoll in der Haltung, wie Ernährung und leider auch sehr krankheitsanfällig, schnell erreichen die Tierarztkosten hohe 3-stellige Bereiche.
Man sollte sorgfältig prüfen, ob man den doch sehr hohen Kosten gerecht werden kann.

Frettchen sind Rudeltiere und dürfen NIEMALS alleine gehalten werden. Zu zweit oder am besten zu dritt oder noch mehr fühlen sie sich am Wohlsten. Zusammen können sie ausgiebig kuscheln, spielen und sich raufen.

Ja, Frettchen haben einen Eigengeruch, so wie fast alle Tiere. Manche Menschen empfinden diesen als unangenehm, deswegen sollte man unbedingt vor der Anschaffung dieser Tiere einen „Schnupperbesuch“ bei einem erfahrenen Halter oder einer Frettchenhilfe machen. Dabei spielt nicht nur die Empfindlichkeit der Nase eine Rolle, sondern auch der Umgang mit den Tieren. Da kann es schon mal etwas ruppig zugehen, besonders bei Welpen und Jungtieren braucht „Mensch“ eine „dicke Haut“.
Die Erziehung von Welpen sollte nicht in die Hände von Anfängern gelegt werden!

Frettchen schlafen ca. 16 bis 20 Stunden täglich, je nach Alter und gesundheitlichem Zustand.
Die Schlafenszeit verteilt sich auf mehrere Phasen, 4 bis 5 Stunden Schlaf,1 bis 2 Stunden Wachzeit im Wechsel. In den Wintermonaten verkürzen sich die Wachzeiten.
Wenn sie ganz tief und fest schlafen (Todesschlaf) ist das oft sehr erschreckend, trotzdem bitte die Tiere nicht aufwecken!


Genetik

Leuzismus

Leuzismus ist eine Defekt-Mutation, die dazu führt, dass das Fell komplett weiß ist und die darunter liegende Haut rosa. Die Haut enthält keine Farbstoffbildenden Zellen.
Anders beim Albinismus, da sind die farbstoffbildenden Zellen zwar vorhanden aber unfähig Farbstoffe zu produzieren.
Es gibt mehrere Gene, deren Mutation zu Leuzismus und Scheckung (Teil-Leuzismus) führen kann. Dazu gehören das Endothelin-Rezeptor-B-Gen (EDNRB), das Paired Box Gen 3 (PAX3), SOX10, der Microphthalmie-assoziierte Transkriptionsfaktor (MITF), c-Kit und der Steel-Locus (codiert MGF). (Selbst die Erklärungen dazu sind sehr kompliziert, also nehmen wir einfach zur Kenntnis, dass es diese Gene gibt). Die Mutation dieser Gene führt zu Leuzismus und Teil-Leuzismus. Das bewirkt eine Fehlentwicklung der Neutralleisten im Anfangsstadium des entstehenden Lebens.  Neutralleisten bilden Teile der Zähne oder Knorpelelemente des Kiefers und Strukturen des peripheren Nervensystems aus (z. B. Sinneszellen der Haut und Schwann-Zellen, Innenohren - was zu Taubheit oder Schwerhörigkeit führt). Aus Neuralleistenzellen werden auch Pigmentzellen der Haut und Nebennierenmark gebildet.

Waardenburgsyndrom

Das ist eine angeborene vererbbare Erkrankung, bei der es sich um eine Form des teilweisen Leuzismus handelt. Die Tiere haben eine Pigmentstörung der Augen, Haut und Haare sowie Innenohrschwerhörigkeit und Fehlbildungen des Gesichtes, sind jedoch nicht komplett weiß.

Melanismus

Schwarzfärbung, dunkle Pigmentierung der Haut.

Abundismus

Eine spezielle Ausprägung des Melanismus. Es treten dunkle Pigmentierungsflächen am Körper auf.

Nigrismus

Vorhandene dunkle Zeichnungselemente werden größer.

Skotasmus

völlige Verdunkelung


Farben

DEW, BEW haben die Defekt-Mutation Leuzismus.

Badger, Spotted, Panda haben eine Leichte Form des Leuzismus. Hellen diese Tiere jedoch auf (nicht altersbedingt), haben sie den Silver-Locus.

Harlekins sämtlichen Farbschlags haben eine Gen-Mutation des c-Kit Gens. Dieses ist bei Katzen für weiße Pfoten und Latz zuständig. Somit ein Teil-Leuzismus, dieser wirkt sich allerdings anders aus. Die Tiere sind weniger von Taubheit betroffen, sondern haben eher Probleme mit Anämien und der Fortpflanzungsfähigkeit.

Silver haben den Steel-Locus, dieser betrifft auch eher die Fruchtbarkeit als das Gehör, steht aber ebenfalls mit dem Leuzismus in Zusammenhang.

Black Solid haben Melanismus.

Black Self haben Abundismus.
 
Leuzismus sowie 3 Typen des Waardenburgsyndrom sind dominant vererbbar. Der 4. Typus des Waardenburgsyndrom wird rezessiv vererbt.

 
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